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Sagen

 

Vom Girenbad bei Hinwil
(entnommen aus dem Buch: Sagen aus dem Zürcher Oberland von K.W. Glaettli, 1951)

Bekanntlich gibt es im Kanton Zürich zwei Ortschaften mit dem Namen Girenbad, nämlich das äussere bei Turbenthal und das innere bei Hinwil. Das letztere liegt in einer windgeschützten Mulde an der Bachtelkette. Von diesem Bad erzählt der Volksmund eine hübsche Geschichte, wie es zu seinem Namen kam.

Im Mittelalter kannte man den Namen Girenbad noch gar nicht. Die ganze Hochmulde wurde nach dem Hofe Schaugen benannt. Es muss um die Mitte des 15. Jahrhunderts gewesen sein, als ein Bauer aus dem Schaugen einen Geier bemerkte, der sich täglich mehrmals am gleichen Orte niederliess. Endlich konnte der Mann seine Neugier nicht mehr zurückhalten und verbarg sich in der Nähe im Gesträuch, um zu beobachten, was der Vogel hier Gheimnisvolles tue. Er sah, dass der Geier sich einem Tümpel näherte und darin sein lahmes Bein badete. Der Bauer liess das Tier unbehelligt, in der Absicht, darauf zu achten, wie lange es für die Heilung des Beines brauche. Und siehe, nach einigen Wochen war der Geier wieder gesund.

Dem Bauer ging ein Licht auf. Er sagte sich, wenn das Wasser dem Tiere hilft, so hilft es vielleicht auch mir, denn er war arg geplagt von Gesüchten. Schnell warf er seine Kleider von sich und stieg ebenfalls in den Tümpel hinein. Und da war ihm, als spüre er die Schmerzen seinen Leib verlassen. Er setzte die Kur fort, und es verging kein Monat, da fühlte er sich wieder frisch und gesund wie ein Fisch im Wasser.

Die gute Mär verbreitete sich im Lande herum, und schon kamen die Kranken aus weitem Umkreis herbei, um sich heilen zu lassen von des Geiers Quelle. Der Besitzer des Tümpels musste ein Badhaus um das Wässerlein herumbauen. Da badeten Männlein und Weiblein miteinander, bis es dem gestrengen Pfarrherrn und der hohen Obrigkeit missfiel. Aber noch lange badete man auf eine sehr einfache Art, indem man sich stundenlang im Wasser aufhielt. Weil aber das Baden Appetit machte, musste bald auch eine Wirtschaft erbaut werden. "Das Bad macht essig Leuth", heisst es in einem alten Bericht. Kurzum, das Bad, das der Geier entdeckt hatte, erfreute sich bald grossen Zuspruchs. Es erschienen daselbst namhafte Würdenträger weltlicher und geistlicher Herkunft, namentlich nach der Reformation, als sich die Zürcher Herren nicht mehr getrauten, überallhin in die Kur zu gehen.

Der erste Badmeister, den man mit Namen kennt, hiess Hans Wild. Er lebte am Anfang des 16. Jahrhunderts. Von ihm heisst es in einer alten Schrift, er sei "ein gar gschmissiger Man" gewesen.



Das Gyrenbad
(entnommen aus der Broschüre: Sagen aus dem Kanton Zürich, Zürcher Kantonalbank, 1987)

Am Fusse des Bachtels, auf dem Gebiet der Gemeinde Hinwil, entsprang eine Quelle, deren erdiges Wasser Schwefel enthielt. Dieses Schwefelwasser wurde ins Gyrenbad geleitet, das bis zur Jahrhundertwende einen guten Ruf als Heilbad genoss. Schon im 16. Jahrhundert rühmte Antistest Heinrich Bullinger diese Heilquelle, und der Zürcher Stadtarzt Johann Jakob Scheuchzer widmete ihr zu Anfang des 18. Jahrhunderts eine ausführliche Beschreibung. Wie die Heilkraft dieses Wassers entdeckt wurde und wie das Bad zu seinem Namen kam, wird auf mancherlei Art beschrieben.

Ein Bauer soll einst am Fusse des Bachtels auf seinen Feldern gearbeitet haben, als er plötzlich im Gebüsch ein Krächzen und Flügelschlagen hörte. Als er zu dem Strauche ging, entdeckte er einen Geier, dessen Flügel sich in den Ästen verfangen hatten. Das eine Bein des Vogels schien verletzt zu sein. Der Bauer befreite die Schwingen des Raubvogels aus den Zweigen, das Tier erhob sich und flog krächzend davon. Am Rande eines nahen Baches liess sich der Geier nieder und trank. Da er nicht gut stehen konnte, glitt er aus und fiel ins Wasser, konnte sich jedoch bald wieder aufrappeln und flatterte ans Ufer, wo er sich auszuruhen schien. Dem Bauern, der den Vogel beobachtet hatte, fiel auf, dass er mit einem Male wieder nach Art der Raubvögel auf beiden Beinen hockte, während er vorher das eine so sonderbar von sich gestreckt hatte. Der Bauer fragte sich, weshalb die Verletzung des Geiers nach dem Bad plötzlich kaum mehr zu sehen war. Das Tier äugte munter umher, liess sein Gefieder in der Sonne trocknen, und als der Bauer etwas später wieder nach ihm sah, hatte es sich davongemacht und kreiste hoch über dem Wald, wie wenn es nie verletzt gewesen wäre. Als der Bauer seine Arbeit beendet hatte, zog er sich aus und liess sich in den Bach gleiten. Ihm schien das Bad ebensogut zu bekommen wie dem Geier, denn als er wieder herausstieg, fühlte er sich wunderbar erfrischt, und auf dem Heimweg stellte er fest, dass ihn sein Rücken viel weniger schmerzte als vorher.

Der Bauer berichtete im Dorf von dem Erlebten, und bald schon war die Quelle am Bachtel gefasst und in eine Badeanlage geleitet. Das Bad wurde nach dem verletzten Geier, dem "Gyr", Gyrenbad genannt, und während langer Zeit fanden Leidende in seinem schwefligen Wasser Heilung. Das Bad war bis Anfang unseres Jahrhunderts (20. Jahrhundert) gut besucht. Als dann die Heilungssuchenden auszubleiben begannen, wurde das Badehotel als Gasthaus weitergeführt und ist auch heute noch ein beliebtes Ausflugsziel. Das schöne alte Haus wurde vor kurzem renoviert. Die Heilquelle jedoch scheint sich im Gestein des Allmens andere Wege gesucht zu haben, denn als man sie in den fünfziger Jahren neu fassen wollte, war sie nicht mehr zu finden, und das Rinnsal, das aus der alten Quellfassung fliesst, erwies sich als ganz gewöhnliches Wasser.



Der Zwölfistein
(entnommen aus dem Buch: Sagen aus dem Zürcher Oberland von K.W. Glattli, 1951)

Wenn man vom Dorfe Hinwil aus auf der Sonnenseite der Allmannkette gegen den Bachtelberg emporsteigt, bemerkt man hart an der Strasse, etwa fünf Minuten oberhalb Wernetshausen, einen Findling aus Speernagelfluh. Das ist der Zwölfistein. Dieser dreht sich, wenn es am Basler Münster (nach andern an der Hinwiler Kirche) Mitternacht schlägt, bei jedem Schlag einmal herum. es sind zwar schon viele um Mitternacht auf dem Bänklein davor gesessen, besonders im Sommer, aber sie haben vor lauter anderem den Stein nicht sich drehen gesehen.



Der Pestvogel von Fischenthal
(entnommen aus der Broschüre: Sagen aus dem Kanton Zürich, Zürcher Kantonalbank, 1987)

Der Weiler Besten in der Gemeinde Fischenthal bekam seinen Namen in der traurigen Zeit, da in dieser Gegend die Pest wütete. Eines Tages soll ein fremdartiger Vogel vor einem Haus des Weilers gesessen und gar seltsam gesungen haben: "Pest! Pest! Pest!" Ganz deutlich haben die erschreckten Menschen das gefürchtete Wort verstanden. Immer schriller und eindringlicher wurde der Schrei des Vogels, und noch am selben Abend holte sich der schwarze Tod sein erstes Opfer! Wie ein Feuer griff die fürchterliche Krankheit um sich, und schon am darauffolgenden Tag waren in dem kleinen Orte zwanzig Tote zu beklagen.

Später, als sich die Seuche im Tal weiter ausgebreitet hatte, erkrankte im Ort selbst niemand mehr, aber die Angst quälte alle. Da war der seltsame Vogel, dessen Ruf der Todesnot vorangegangen war, eines Morgens wieder zu sehen. Wieder sass er vor demselben Haus, doch diesmal klang sein Gesang froh und heiter. Voll Hoffnung lauschten die Hausbewohner dem Vogel. Klar und deutlich hörten sie den Ruf: "Binz und Bänz und Boldrioo, hänks um de Hals, dänn chunsch devoo!" Die Leute zögerten keinen Augenblick, denn sie wussten, dass der seltsame Vogel ihnen damit geraten hatte, wie die Krankheit zu bekämpfen sei. Und alsbald begannen sie Kräuter zu sammeln. Glücklicherweise wuchs sowohl von "Binz", dem Binsengras, wie vom "Bänz", dem verdauungsfördernden, bitterstoffhaltigen Benediktenkraut als auch vom "Boldrioo", dem beruhigenden Baldrian, eine Menge im Brüttenertal. Die Leute sammelten soviel, wie sie tragen konnten, und brachten ganze Säcke davon zu den Bewohnern des vorderen Tales. Und wirklich: jeder, der ein Zweiglein der Kräuter um den Hals trug, fühlte sich wie neugeboren und blieb fortan vom schwarzen Tod verschont. Die Menschen atmeten auf. Die Kräuterträger aber wurden nur noch die "Pestleute" genannt, und der Weiler, den sie bewohnten, heisst seither "Besten".

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